Projekt Hütehund – wie Einstein zu nem Schäferhund wird!

Published on: 17 February 2025
By TZ

Seit ich Einstein, meinen Border Collie, habe, war mir klar: Das ist etwas anderes als ein normaler Familienhund. Intelligenz, Energie und unermüdliche Arbeitsmoral fordern eine komplexere Aufgabe als “Gassi gehen”. Naheliegend war da, ihn zu dem auszubilden, was einem Border Collie im Blut liegt – zu einem Hütehund!

Die ersten Schritte machten wir beim Züchter – Hege Voldmo in Askim. Sie hat mich eigentlich auf die Idee gebracht. Sie hält eine kleine Gruppe Schafe um ihren Kunden die Möglichkeit zu geben die bei ihr gezüchteten Hunde mit Schafen üben zu lassen. Natürlich muss oft auch der Hundebesitzer ausgebildet werden. Ich glaube das Bild zeigt meine Ratlosigkeit recht deutlich. Es sollte ein spannende Reise werden.

Was ist eigentlich ein Hütehund?

Ein Hütehund ist eine spezielle Art von Arbeitshund, der dazu gezüchtet wurde, Viehherden – meist Schafe, aber auch Rinder oder Ziegen – zu kontrollieren und zu lenken. Diese Hunde arbeiten eng mit Schäfern und Landwirten zusammen und nutzen instinktive Bewegungsmuster, um die Tiere zu dirigieren, ohne sie zu verletzen oder zu stressen. Die Schafe denken sicherlich eine Art Prädator (Wolf, Schakal etc.) vor sich zu haben und verhalten sich entsprechend. Sie gruppieren sich in der Herde und bewegen sich “weg” vom Hund. Hier gilt es dies nicht in eine panikartige Flucht umschlagen zu lassen. Das wäre kontraproduktiv.

Typische Hütehunderassen sind der Border Collie, der Australian Shepherd, der Schweizer Appenzeller Sennenhundoder der Deutsche Schäferhund. Sie zeichnen sich durch hohe Intelligenz, Arbeitswillen, Ausdauer und ein hohes Maß an Gehorsam aus. Einstein ist ein reinrassiger Border Collie. Meist sind Border Collies schwarz/weiss gefärbt, es gibt aber vier weitere Schattierungen die anerkannt sind. Das wären da rot/weiss, tri-color, merle und eben braun/weiss wie mein Einstein. Meist sind Border Collies auch etwas kleiner als Einstein. Er hat ein Stockmass von 55cm und wiegt knapp 20kg, liegt also an der obern Grenze.

Moderne Hütehunde werden nicht nur in der Landwirtschaft eingesetzt, sondern finden auch in Hundesportarten wie Treibball oder als Rettungs- und Therapiehunde eine sinnvolle Aufgabe.Ein Hütehund ist eine spezielle Art von Arbeitshund, der dazu gezüchtet und trainiert wurde, Viehherden – meist Schafe, aber auch Rinder oder Ziegen – zu kontrollieren und zu lenken.

Hütehunde unterscheiden sich von Treibhunden (wie z. B. dem Australian Cattle Dog), die das Vieh eher durch gezieltes Zwicken in die Beine vorantreiben, während Hütehunde durch Blickkontakt, Körperhaltung und gezielte Bewegungen das Vieh in die gewünschte Richtung lenken. physischer Kontakt und Beissen wird nicht zugelassen.

Border Collies werden im Herden-Management eingesetzt. Sie führen die Herde von Weide zu Weide, teilen die Herde auf und man kann sogar einzelne Tiere (Schafe) mit Hilfe des Hundes von der Herde abtrennen um sie dann zum Beispiel, Tierärztlich zu versorgen.

Der Schäfer/Handler macht sich den Jagdinstinkt des Hundes zu Nutze. Meiner Meinung nach glaubt der Hund wir sind zusammen auf Jagd. Teamwork mit ein klaren Chef, dem Hirten oder “handler” wie der Hundeführer in der anglophilen Fachsprache genannt wird.

Hütehunde sind auch keine Wachhunde, wie die sogenannten Livestock Guardian Dogs (LGDs). Dies sind spezielle Herdenschutzhunde, die dazu gezüchtet wurden, Viehherden vor Raubtieren wie Wölfen, Bären oder Kojoten zu schützen. Im Gegensatz zu Hütehunden treiben sie die Herde nicht, sondern leben dauerhaft bei den Tieren und verteidigen sie instinktiv gegen Bedrohungen, was ein Border Collie nicht tut. In Begegnungen mit Wölfen habe ich gelernt, dass Einstein diese nicht als Bedrohung auffasst, Schakale und Füchse verbellt er jedoch und trist sie weg.

Wichtige Rassen von Herdenschutzhunden: Maremmano-Abruzzese, Pyrenäen-Berghund, Kangal, Kuvasz, Tornjak, Karakatschan, Caucasian Shepherd (Kaukasischer Owtscharka) und diverse lokale Varianten. Diese Hunde arbeiten meist selbstständig und sind keine typischen „Befehls-Hunde“, sondern agieren nach Instinkt und Erfahrung. Sie müssen als Welpen in die Herde integriert werden, damit sie eine Bindung zu den Nutztieren aufbauen und ihre Schutzfunktion optimal erfüllen.

Warum ein Hütehund-Training?

Border Collies wurden ursprünglich gezielt für die Arbeit mit Schafen gezüchtet. Ihr instinktives Treiben, gepaart mit ihrer unglaublichen Lernfähigkeit, macht sie zu den besten Hütehunden der Welt. Doch ohne richtige Anleitung kann genau dieser Instinkt problematisch werden. Es ist ja im Kern ein Jagdinstinkt. Man muss nun dem Hund beibringen dass er eben nicht beisst oder noch schlimmer, die Schafe reisst. Border Collies verstehen dies in der Regeln sehr schnell. Einstein war zwar Anfangs “zu nah am Schaf” hat aber nie gebissen oder Aggression gezeigt. Er spielte eben mit seinen neuen Freunden, die wollten dies aber nicht. Hier musste dann eben geholfen werden.

Die ersten Schritte

Der erste Schritt war, ein geeignetes Trainingsumfeld zu finden. Da kam da Angebot von Hege sehr gelegen. Sie hat ja fast darauf bestanden Einstein zu “testen”. Es für den Züchter wichtig zu wissen in wie weit die Hütehund – Instinkte vererbt wurden. Unter Heges Anleitung konnte ich mit Einstein in einer kontrollierten Umgebung üben. Wichtig war es, ihn und mich langsam an die Tiere zu gewöhnen, seine Signale zu verstärken und ihm klarzumachen, dass er nicht jagen, sondern lenken soll. Dazu steht man in einer kleinen Schafherde die man quasi bewacht. Der Hund läuft instinktiv im Kreis und diese Herde. Man versucht ihn dann zu stoppen und auch den Abstand zu den Schafen bzw. den Kreisradius zu vergrössern.

Man stelle sich eine Uhr vor. Der Handler steht in der Mitte, die Schafe um ihn herum. Die Schafe sammeln sich übrigens automatisch um den Handler. Man stoppt nun den Hund bei 3 und 9 Uhr. Im nächsten Schritt versucht man den Hund bei 6 Uhr abzulegen. Gehorsamkeit, die man vorher eintrainiert hat, hilft hier natürlich ungemein .

Nach ein paar Trainings-sessions mit Hege ging unsere Reise weiter und wir hatten noch hier und da die Möglichkeit mit Schafen zu trainieren. Ich war noch nicht wirklich überzeugt dass Einstein das Zeug zu einem Hütehund hat. Ich glaube er war auch noch zu verspielt.

Danach schlief das Projekt etwas ein. Etwa ein Jahr später, nach Aufenthalten in Süd Europa ohne Training mit Schafen kamen wir nach Finnland. Auf der Rentierfarm von Satu und Mika (Palosaaren Rentier und Fischen) in Kuusamo lernte ich, dass man Einstein auch für Rentier einsetzen kann. Dies war ein wahnsinnig tolle Erfahrung. Nicht so theoretisch, nein wirklich praktische und nützliche Arbeit mit dem Hund. Wir haben dann auf anraten von Mika Trainingseinheiten bei Anne Karpinnen. Anne zeigte sich als eine sehr gute Lehrerin. Sie konnte wirklich gute Momente vermitteln. Wie man die Tier “liest” und versteht, nicht nur den Hund, auch die Schafe … und natürlich auch sieh selbst. Dort haben im Kauf es Spätsommers 2022 vier Trainingseinheiten absolviert.

Trainingseinheiten

In den Kursen die ich belegt habe wurde sehr zielgerichtet trainiert. Eine Trainingseinheit sit meist under 10 Minuten. Danach ruht der Hund ein halbe Stunde und macht das gleich noch einmal für 10 Minuten, wieder eine, dann aber längere Pause. Je nach Auffassungsgabe des Hundes macht man also alles in allem 40, durch Pausen unterbrochene Trainingseinheiten. Dies machten wir zwei Tage hintereinander und machten 1 bis 2 Wochen Pause.

Rentiere hüten

Auf Satu´s und Mike’s Farm haben wir auch die Möglichkeit gehabt mit Rentieren zu arbeiten. Rentiere verhalten sich natürlich ganz anders als Schafe, sind entsprechend grösser und auch viel schneller.

In 2023 sind wir wieder nach Finnland und haben da dann an der Hütehund-Kiste weiter gearbeitet. Die Arbeit mit den Rentieren war sehr spannend und hat im grossen und ganzen sehr gut funktioniert.

Herausforderungen und Lernmomente

Es stellte sich heraus, dass Einstein eine echte Naturbegabung ist. Aber wie jeder Schüler hatte auch er seine Herausforderungen:

  • Geduld lernen – Er wollte manchmal zu schnell zu viel, statt abzuwarten, bis das Schaf ihn “braucht”.
  • Distanz halten – Nicht zu nah ran, um die Tiere nicht zu stressen, aber auch nicht zu weit weg, um die Kontrolle zu behalten.
  • Befehle umsetzen – „Lie down“ (Platz), „Come by“ (rechts herum, im Uhrzeigersinn) und „Away“ (links herum, entgegen dem Uhrzeigersinn) sind grundlegende Kommandos, die er schnell lernte. Ich hatte Englische Begriffe gewählt, weil da kann Einstein auch von anderen Handlern eingesetzt werden.

Auf unserer Reise in den Süden kamen wir dann in Rhede noch die Möglichkeit uns ein sogenanntes “Trial”, also einem Wettbewerb im Schafehüten anzuschauen.

Den Winter über haben wir uns dann im warmen Südeuropa herumgetrieben. Zurück in Norwegen hat sich an Pfingsten sich dann die Gelegenheit ergeben bei einem 3 Tage Hütehundkurs teilzunehmen. Da hatten wir dann wieder Glück und sind an Egil Syversbråten geraten. Der Mann hat mir dann wirklich die Augen geöffnet und das Projekt Hütehund nahm wirklich Fahrt auf.

Einstein macht sich hervorragend! Sein Instinkt wurde in die richtigen Bahnen gelenkt, er hat gelernt, kontrolliert zu arbeiten, und es macht ihm sichtbar Spaß.

Zurück in Trøndelag sind wir dann noch einmal bei Siv Hilde und Egil vorbei und hab weiter trainiert.

Eines steht fest: Dieses Projekt zeigt mir, wie sehr ein Hund aufblüht, wenn er das tun darf, wofür er geboren wurde. Einstein wird vielleicht kein professioneller Schäferhund, aber er hat eine Aufgabe gefunden die ihn mental und physisch herausfordert – und das ist das Wichtigste.

Den Winter 2025 habe ich eine Hütte in Mosterhamn, Bømlo gemietet. Keine 15 Minuten entfernt fanden wir auch hier eine Schafbauern bei dem wir trainieren können. Finnås Gård … wirklich toll dort und die Leute sind super nett.

Fortschritte und der Plan für die Zukunft

Nach all dem Training kann ich sagen: Einstein macht sich hervorragend! Sein Instinkt wurde in die richtigen Bahnen gelenkt, er hat gelernt, kontrolliert zu arbeiten, und es macht ihm sichtbar Spaß. Der nächste Schritt? Vielleicht ein echter Einsatz bei einer Schafherde auf einer Alm oder ein Hütewettbewerb – wer weiß!

Eines steht fest: Dieses Projekt zeigt mir, wie sehr ein Hund aufblüht, wenn er das tun darf, wofür er geboren wurde. Einstein wird vielleicht kein professioneller Schäferhund, aber er hat seine Herausforderung gefunden – und das ist das Wichtigste. Zudem ist das Gefühl so mit seinem Hund zusammen arbeiten zu können einfach unbeschreiblich. Absolute Partnerschaft.

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